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Auf des Wassers Scheide – Vier-Quellen-Weg

Auf des Wassers Scheide – Vier-Quellen-Weg
Text: Thorsten Kaletsch | Datum: 15.04.2016
Auf des Wassers Scheide – Vier-Quellen-Weg

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23:00 h

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Im Gotthardmassiv entspringen die Quellen des Rheins, der Reuss, des Ticino und der Rhone: Grund genug, sich auf die Spuren dieser bedeutenden Flüsse zu machen. Der Vier-Quellen-Weg eignet sich auch perfekt als Hauptader für weitere Abstecher in die Gotthardregion.
Der Vier-Quellen-Weg: Das sind fünf Tagesetappen, die durch drei Sprachregionen und vier Kantone führen. Vom Oberalppass führt die Route via Maighels-, Lucendro-, Gotthard- und Nufenenpass über insgesamt 85 Kilometer zum Furkapass. Dabei passiert man die Quellgebiete des Rheins, der Reuss, des Ticino und der Rhone und erfährt, warum dieses Gebiet als eine der wichtigsten Wasserscheiden Europas gilt. Der Wanderweg geht auf eine Idee von Paul Dubacher («Weg der Schweiz») zurück und wurde 2012 eröffnet.  

Grossartige Panoramaplätze
Wir wollen auf unserer Wanderung auch den einen oder anderen Gipfel am Weg mitnehmen und starten an einem warmen Spätsommertag auf dem Oberalppass. Schon der erste Zusatzgipfel, der 2740 Meter hohe Pazolastock, belohnt uns mit phänomenaler Aussicht und zeigt uns den Charme unseres Unterfangens. Nach der Badushütte, die von der Zürcher SAC-Sektion Manegg betrieben wird, liegt er vor uns: der idyllische, von viel Grün umgebene See, den die Rätoromanen Lai da Tuma oder Lag da Toma nennen. Dass dieses Gewässer am Fusse des imposanten Piz Badus als Quelle des Rheins gilt, ist auf den Benediktinerpfarrer Placidus A. Spescha zurückzuführen. Der Erstbesteiger des auch als Six Madun bekannten Piz Badus' war es, der den Tomasee erstmals als Ursprung des Flusses bezifferte. Üblicherweise wird als Quelle eines Flusses die von der Mündung am weitesten entfernte Austrittsstelle bezeichnet. Und das wäre im Falle des Rheins die Quelle des Medelser Rheins, der gut fünf Kilometer länger ist als der Rein da Tuma. Für ein Bad im Tomasee ist es heute aber leider zu kalt und zu windig.

Tags darauf starten wir vom Gotthard Richtung Lucendropass zur Quelle der Reuss. Kurz unterhalb der Passhöhe können wir einige Steinböcke aus nächster Nähe beobachten. Die Stille in dieser Einöde ist eindrucksvoll. Hier auf diesem Hochplateau entspringt die Reuss. Der viertgrösste Fluss der Schweiz mündet schliesslich in die Aare, und die fliesst in den Rhein, dessen Quelle wir bereits erwandert haben. An die Besteigung des Piz Lucendro oder der Fibbia an unserem Weg ist heute wegen des schlechten Wetters nicht zu denken. Wir sind froh, dass wir es im Nebel und im Regen schliesslich heil wieder auf die Gotthard-Passhöhe schaffen. Doch die spektakulären Tiefblicke auf die «Tremolata» der Passstrasse, die der teils verschüttete Höhenweg freigibt, gehören auch bei garstigem Wetter zu den Highlights der Tour.

Imposante Gletscherkulisse
Nach der Übernachtung im Ospizio starten wir am dritten Tag im Bedrettotal von der Station «All’Acqua» aus Richtung Nufenenpass. Durch farbigen Lärchenwald erreichen wir nach einem schweisstreibenden Aufstieg die Piansecco-Hütte und gönnen uns ein Stück Heidelbeerkuchen. Unterhalb des Nufenenpasses vereinen sich viele Rinnsale zum Ticino, der nach dem Bedrettotal durch die Leventina, die Riviera, die Magadinoebene und den Lago Maggiore fliesst und schliesslich in den Po mündet. Er führt also wie die Rhone in den Süden, während Rhein und Reuss in den Norden fliessen: deshalb der Ausdruck Wasserscheide für das Gotthardmassiv. Von Oberwald geht es am vierten Tag durchs Obergoms zum Rhonegletscher, also zur Quelle der Rhone. Den trotz massivem Rückgang immer noch imposanten Gletscher besichtigen wir zuerst von innen – in der Eisgrotte. Dann halten wir beim Markierstein der Quelle inne und blicken lange auf die Gletscherzunge. Von hier fliesst die Rhone als «Rottu» durchs Wallis bis in den Lac Léman und dann via Lyon, Valence und Avignon nach Arles. Dort teilt sie sich und mündet schliesslich als Petit Rhône und Grand Rhône ins Mittelmeer.  Gerne hätten wir tags darauf noch eine wirklich knacki-ge Etappe vom Furkapass via Sidelen- und Albert-Heim-Hütte über den «Nepali Highway» zurück an unseren Ausgangspunkt Andermatt angehängt. Doch erneut macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, was aber die Freude an der Tour nicht schmälert. Der Vier-Quellen-Weg hat auch dann viel zu bieten, wenn man mit Wasser in all seinen Aggregatszuständen konfrontiert ist.
Toureninfo

Einige kurze Passagen weisen Schwierigkeiten um T4 auf und sind teilweise mit Ketten oder Leitern gesichert. Bei schlechtem Wetter können Passetappen im alpinen Gelände schnell heikel werden. Hier empfiehlt es sich, auch mal eine Etappe auszulassen oder auf ein Alternativprogramm zu wechseln.

Beste Jahreszeit
Bis Juli liegt in der Regel noch viel Schnee. Am besten geeignet ist die Wanderzeit von Ende Juli bis Ende September.

Hotel Bergidyll
Gotthardstrasse 39
6490 Andermatt
Tel. 041 887 14 55 
hotel-bergidyll.ch

St. Gotthard Hospiz
Passo San Gottardo 
6780 Airolo
Tel. 091 869 12 35
gotthard-hospiz.ch
 
Glacier du Rhône
Gletsch
3999 Oberwald
Tel. 027 973 15 15
glacier-du-rhone.ch

Alle Hotels sind Partner des offiziellen Wanderland-Tour-
Operators «Swiss Trails», der ein Package für CHF 509.-
(Kategorie Standard) anbietet. Buchbar bei:
swisstrails.ch

vier-quellen-weg.ch

Tag 1: Oberalppass – Rheinquelle – Oberalppass
Oberalppass – Pazolastock (2740 m ü.M.) – Badushütte – Tomasee – Oberalppass
5 h, anschliessend mit der Bahn nach Andermatt

Tag 2: Gotthardpass – Reussquelle – Gotthardpass
Gotthardpass – Lago di Lucendro – Passo di Lucendro – Gotthardpass 5¾ h

Tag 3: Bedrettotal – Ticinoquelle – Nufenenpass
All’Acqua – Piansecco-Hütte – Cruina – Nufenenpass
4 h, anschliessend mit dem Postauto nach Ulrichen oder Oberwald

Tag 4: Oberwald – Rhonequelle
Oberwald – Gletsch – Belvédère/Rhonegletscher
6¾ h, anschliessend mit dem Postauto zurück nach Gletsch